Vom Training zum Buch
Wie ein Projektteam aus Nordmazedonien auf die Corona-Krise reagiert
Das Frühjahr 2020 hatten sie sich anders vorgestellt. In unserer Partnerorganisation Peace Action sind März und April die Hauptmonate für die Trainingsarbeit. Dabei geht es um Vergangenheitsaufarbeitung. Hier kommen ehemalige Kriegsteilnehmer zusammen. Sie bringen seelische Verletzungen und starke psychische Erschütterungen mit. Seit seiner Unabhängigkeit 1991 ringt Mazedonien um inneren Frieden und Entwicklung. Viele Menschen unterschiedlicher ethnischer Zugehörigkeit haben kaum Kontakt – dafür jede Menge Vorbehalte.
Nun standen die Trainings- und Begegnungsarbeit auf dem Spiel. „Wir verfolgten die Coronasituation im gesamten Land und in unserer Region rund um Prilep. Einige der angemeldeten Teilnehmer drückten ihre Besorgnis via Email aus. Denn das war eine neue Situation für alle“, erläutert die lokale Friedensfachkraft Boro Kitanoski.
„Seit dem Krieg 2001 hatten wir keine Ausgangssperren mehr“, so Boro. Das Training und alle folgenden mussten abgesagt werden. Von einem auf den anderen Tag war der Hauptteil der Arbeit nicht mehr vorhanden. Verschoben bis auf weiteres. „Wir haben dann umorganisiert und versucht einen Arbeitsmodus von Zuhause zu finden. Was könnten wir unter diesen neuen Gegebenheiten vorantreiben? Etwas, das getan werden kann, ohne sich und andere der Ansteckungsgefahr auszusetzen.“
Eine Idee kristallisierte sich recht schnell heraus: Ein Buch zu erstellen mit Geschichten von Kriegsveteranen. Ende 2019 hatte das Projektteam bereits angefangen Interviews mit Veteranen aus Nordmazedonien aufzuzeichnen. Mit ihnen hatte das Team über viele Jahre zusammengearbeitet. Vertrauen wurde aufgebaut. Aber konnte es gelingen, die Routine zu verlassen und dieses Projekt in einer Krisenzeit zu organisieren? Boro Kitanoski erklärt: „Die Interviews waren bereits aufgezeichnet. Das machte es rasch möglich, an diesem Buch zu arbeiten. Derzeit sind wir mit der Albanisch-Mazedonischen Übersetzung, dem Organisieren des Designs und dem Druck des Buches beschäftigt. Denn diese Aufgaben können über Telefon und Email erfolgen“.
Das Fertigstellen eines Buches verlangt eine öffentliche Veranstaltung. Eine Veranstaltung, die viele Menschen und Medien anzieht. So jedenfalls wäre es zu normalen Zeiten. Wie also in der jetzigen Situation damit umgehen? „Es ist schwer vorauszusagen, wann wieder größere Gruppen von Menschen zusammenkommen dürfen. Aber es wird vorersteine elektronische Version des Buches geben, die online gestellt wird“, so Boro.

